Post 2: Wenn Konsum jede Aktivität erstickt

Meine Interessen sind breit gestreut. Ich kann mich für verschiedene Methoden von Gesichtsrasuren für Männer interessieren, als auch für Lehrmethoden wie man einen Rückwärtsbogen einem 4-jährigen Mädchen beibringt.

Alles spannend.

Mein Problem ist, ich kenne kein Ende. Ich kippe richtig in Dinge hinein. Ich falle in ein schwarzes Loch und komme irgendwann in einer anderen Galaxie an.

In Kombination mündet meine Neugier mit meiner fehlenden Selbstkontrolle in der ultimativen Zeitvernichtung.

Du kannst gerne argumentieren, dass Neugier etwas Gutes ist. Ich würde dir auch nicht widersprechen. Ungerichtete Neugier bringt einem allerdings nichts.

Sie lenkt mich ab. Sie richtet meinen Blick weg von der Mauer, die eigentlich vor mir steht. Stattdessen laufe ich quer der Mauer entlang, ohne einen Schritt voran gemacht zu haben.

Ungerichtete Neugier ist die Illusion von Bewegung

Bewegung bedeutet für mich der Zug nach vorne. Ungerichtete Neugier ist das Gegenteil – Es ist nur eine Illusion von Bewegung und kommt Stillstand gleich.

Mein typischer Tag

Ich wache auf, weil mein Kind zu uns ins Bett kommt. Das passiert in der Regel zwischen 6:00 Uhr und 6:30 Uhr. Ich stehe nicht gleich auf, sondern surfe auf meinen iPhone bis 7 Uhr.

Zuerst checke ich die Überschriften zweier Tageszeitungen und überfliege vielleicht 2 bis 3 Artikel. Ich nehme mir selten die Zeit einen Artikel komplett zu lesen. Ein Überblick reicht.

Anschließend checke ich Facebook und Instagram. Keine Interaktion, keine Zeit.

Anschließend öffne ich Twitter. Mein Ersatz für RSS. Ich bin sehr restriktiv darüber wem ich folge. Mich interessieren nur die Links und Zitate von interessanten Menschen. Es gibt keine Konversation. Selbst tweete ich nicht.

Jeden Link, den ich spannend finde, lege ich in meine Apple-Leseliste für später.

Abschließend klicke ich auf Snapchat. Snapchat ist eine neue Video-Community. Der Gag ist die erzwungene Aufmerksamkeit, denn Videos können nur einmal für wenige Sekunden betrachtet werden. 

Auch hier folge ich nur ganz wenigen, eigentlich nur 3. Ich will schließlich fokussiert sein.

Bin ich mit all diesen Dingen durch, stehe ich auf, dusche mich, zieh mich an und mache Frühstück.

Nachdem mein Kind im Kindergarten ist, fahr ich in mein Büro und fang an zu arbeiten.

Das heißt ich mache einen Kaffee und check Youtube. Die nächsten 45 Minuten schaue ich die Videos meiner 10 Lieblings-Youtuber. Es kann aber auch 3 Stunden dauern, je nachdem ob sich ein schwarzes Loch auftut.

Ich argumentiere dieses Zeitinvestment damit, dass ich von diesen Storytellern, das Geschichtenerzählen lernen kann. Das scheint ja ein Ding zu sein, das Geschichtenerzählen.

Der Vormittag vergeht, Mittagessen und zum Verdauen checke ich das Internet. Vielleicht lese ich auch einen oder 2 Artikel aus meiner wachsenden Leseliste.

Oft stolpere ich über eine Taktik, die mich besonders interessiert. Ich plane sie demnächst in einem Projekt umzusetzen, doch dazu brauche ich noch weitere Informationen.

Irgendwann ist der Nachmittag vorbei und ich fahre nach Hause.

Ich verbinge Zeit mit der Familie, wir essen zu Abend und irgendwann liegt das Kind im Bett und schläft. Endlich Pause.

Ich versuche jeden zweiten Tag für zumindest 45 Minuten Laufen zu gehen. In Wahrheit wird es jeder 3 bis 4 Tag. Aber besser als nichts, oder?

Je nachdem ob ich Laufen war oder nicht, lege ich mich mit meinem iPad auf die Couch . Zuerst checke ich die Tageszeitungen, dann Social Media und anschließend Youtube.

Ich hetze mich durch meine Leseliste, um rechtzeitig fertig zu werden bis meine Freundin fragt, ob wir gemeinsam fernsehen.

Dann ziehen wir uns 2–3 Folgen einer Serie rein, entweder über Netflix oder gesaugt.

Meistens bin ich vorher nicht mit meiner Leseliste fertiggeworden, also liege ich im Dunkeln mit dem iPhone und versuche nachzukommen mit meinem Lesestoff.

Sollte ich nichts spannendes mehr zum Lesen finden, dann greife ich zu meinem Kindle.

Zwischen 24 Uhr und eins gehe ich schlafen.

…Es ist unerträglich meinen Tag so niederzuschreiben.

Konsum von Medien erstickt jede Aktivität

Lange Zeit fühlte ich mich von meinem Tag gehetzt. Ich hatte schließlich so viel zu tun. 2 Tageszeitungen, 302 Facebook-Freunde, 90 Instagramern, 3 Snapchatern und 10 Youtubern. Mehr als mein halber Tag ging verloren an Konsum von Medien.

Ich log mich ständig an. Ich mach das um mehr zu lernen. Um einen Wissensvorsprung zu haben. 

Du kennst die Wahrheit. Praktisch nichts von all dem was ich gelesen oder angesehen habe, habe ich in die Tat umgesetzt. Null.

Der Witz an der Sache ist, dass es sich als Arbeit anfühlte. Es gab aber keine Resultate, nur ein leeres Blatt Papier.

Eine radikale Konsum-Diät als Lösung?

Es konnte nicht so bleiben. Ich kann nicht den ganzen Tag damit verplempern und irgendwelchen Content von anderen konsumieren. Insbesondere dann, wenn der Konsum Überhand nahm und meine Bewegungsmöglichkeiten negativ beeinflusste.

Mir war es klar, ich musste etwas ändern.

Nachdem ich ein Mensch der Extreme bin, entschied ich mich für das andere Extrem. Kein Konsum mehr. Nichts. Null. Nada. Weniger, weil ich nie wieder Fernsehen wollte. Ich hatte auch nicht zum Ziel nie wieder Zeitung zu lesen.

Es ging ausschließlich darum meinen Geist zu neutralisieren. Ihn zu entschlacken. Genauso wie du es macht, wenn du dich zu Mittag komplett überfressen hast. Du entscheidest dich das Abendessen auszulassen.

Für einen Tag konsumierte ich keine Medien. Kein Facebook, keine Zeitungen, kein Youtube. Ich bin ohne Radio im Auto gesessen.

Zeit – Konsum = Kreation

An diesem einen Tagen konnte ich mehr umsetzen als in der letzten Woche zusammen. Unabhängig ob ich tatsächlich mehr umsetzen konnte als die ganze Woche. Es hat sich so angefühlt.

Ich bin mehrere Schritte nach vorne gegangen und das ist das einzige, das zählt.

Das Beitragsbild ist von Samuel Engel

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